Aufschwung für Deutschland

Aufschwung

„Deutschland hat in den vergangen zehn Jahre eine zu restriktive Geld- und Fiskalpolitik betrieben“, konstatiert Nobelpreisträger Robert M. Solow in seinem Beitrag. Er fordert, die Beschränktheit der makroökonomischen Diskussion zu überwinden. In Deutschland sei der Glaube verbreitet, eine niedrige Inflation und flexible Löhne seien der goldene Weg zu mehr Wirtschaftswachstum. „Hierzulande gibt es kein anderes Gesprächsthema als Arbeitsmarktreformen.“ Die Krux sei eine schon seit Jahren zu schwache Binnennachfrage, die ihrerseits von einer unnötig restriktiven Fiskal- und Geldpolitik herrühre.

„Die Bundesrepublik versucht, selbst in wirtschaftlichen Abschwungphasen ihr Haushaltsdefizit zu verringern“, stellt auch Charles Wyplosz fest. Der Wirtschaftsprofessor macht den Einsatz einer prozyklischen, diskretionären Fiskalpolitik für die ungewöhnliche Länge des Abschwungs zwischen 2001 und 2006 verantwortlich. Dieser habe auch zu der anhaltend hohen Arbeitslosenquote beigetragen.

Exportweltmeister – na und?

„Exportweltmeister – na und?“ lautet der Beitrag von Adam Posen. Der Titel, den Deutschland bereits mehrere Jahre in Folge geholt hat, bedeutet dem Amerikaner zufolge nach nichts. „Die Deutschen sparen zu viel und konsumieren zu wenig“, lautet seine Analyse. Eine stärkere Binnennachfrage sieht auch Posen als Schlüssel zum Aufschwung, fordert jedoch gleichzeitig im Export Innovationsstrategien, die auf Neuheit und Originalität der Produkte basieren und nicht auf preisliche Wettbewerbsfähigkeit setzen.

Richard B. Freeman hingegen mahnt eine stärkere Deregulierung des deutschen Arbeitsmarktes an. Dieser müsse verstärkt für Frauen geöffnet werden, denn eine höhere Frauenerwerbsbeteiligung sieht Freeman als bedeutende Quelle für das langfristige Wachstum der deutschen Wirtschaft.



Impulsgeber


„Das Buch ist ein vorzügliches Beispiel dafür, wie die wirtschaftspolitische Debatte in Deutschland geführt werden sollte“, sagte Michael Naumann bei der Vorstellung in der Friedrich-Ebert-Stiftung. Der ehemalige Kulturstaatsminister und Spitzenkandidat für die Bürgerschaftswahl in Hamburg im kommenden Jahr machte auch klar, dass es einen Paradigmenwechsel der Unternehmen geben müsse. „Die enge Fixierung auf den Shareholder Value muss wieder dem sozialen Handeln der Manager Platz machen“, forderte er. Auch hierfür sei das Buch ein Impulsgeber.

„Aufschwung für Deutschland“ wurde im Jahr 2005 von der Friedrich-Ebert-Stifung in Auftrag gegeben. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Bundesrepublik auf ihrem wirtschaftlichen Tiefpunkt. Das große Plus des Buches ist seine objektive Bewertung der ökonomischen Situation Deutschlands, da alle Autoren aus dem Ausland kommen. Auch sind sie verschiedenen Denkschulen zuzurechnen. All dies macht den Band zu einer interessanten Lektüre und einem guten Ratgeber, der die Qualität der deutschen Wirtschaftspolitik verbessern kann.

Kai Doering

Ronald Schettkat/Jochem Langkau (Hrsg.): Aufschwung für Deutschland. Plädoyer international renomierter Ökonomen für eine bessere Wirtschaftspolitik, Dietz, Bonn 2007, 242 Seiten, 16,80 Euro, ISBN: 978-3801203764

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Autoren: Kai Doering